Eingewöhnung

Obwohl Ihr Kind bis jetzt vielleicht schon andere Bindungsbeziehungen eingegangen ist, nicht nur zu Ihnen als Eltern, sondern gegebenenfalls zu seinen Großeltern, und im Laufe seines Lebens noch einige mehr dazu kommen werden, wird jede Beziehung für sich aufgebaut und von unterschiedlicher Qualität sein.

Für Ihr Kind stellt es eine große Herausforderung dar, eine Bindungsbeziehung zu mir, als zunächst noch fremde Person herzustellen. Nur durch eine langsame und sensible Eingewöhnung kann diese deutlich gemindert werden. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass jedes Kind das Tempo seiner Eingewöhnungszeit selbst bestimmt. Auch für Sie als Eltern bedeutet der Schritt mit Ihrem Kind in die Kindertagespflege ebenso eine große Veränderung.

Ihr Kind wird nun, unabhängig von Ihnen Neues entdecken, neue Gewohnheiten entwickeln, andere Kinder kennenlernen und natürlich eine neue Beziehung zu mir als seiner Tagesmutter eingehen.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir in einem engen und regen Austausch über die Befindlichkeit Ihres Kindes stehen und Sie sich genügend Zeit nehmen, Ihr Kind möglichst stressfrei beim Übergang in seinen neuen Lebensabschnitt zu begleiten.

Denn Sie als Eltern spielen in der Zeit der Eingewöhnung eine entscheidende Rolle. Ihr Kind fühlt ganz genau, ob Sie sich sorgen oder mit einer positiven Einstellung beginnen.

Wenn der erste Tag in meiner Kindertagespflege gekommen ist, werden Sie entschieden haben, wer von Ihnen- Mama oder Papa – mit Ihrem Kind zusammen die Eingewöhnung startet. Dieser Elternteil ist eine wichtige Konstante für Ihr Kind und wird während der Eingewöhnungszeit nicht getauscht. Sie als begleitender Elternteil sind für Ihr Kind der „sichere Hafen“, von dem aus es starten kann, seine neuen und für ihn ganz fremden Räume, Spielsachen und vielleicht auch Spielkameraden zu erkunden und kennen zu lernen.

Ich möchte Sie bitten, mit Ihrem Kind immer zur gleichen Uhrzeit zu kommen, die wir im Vorfeld gemeinsam festlegen werden. Sie bleiben mit Ihrem Kind zusammen ungefähr eine Stunde. Sie, Ihr Kind und ich werden uns jeden Morgen mit dem gleichen Ritual begrüßen.

Dies wird auch Fragen beinhalten wie es Ihrem Kind heute geht, ob es in der Nacht gut geschlafen hat oder ob es vielleicht unruhig ist, weil sich neue Zähne ankündigen.

Auch Ihre Befindlichkeit, liebe Eltern, liegt mir am Herzen, da es für Sie sicher ebenfalls keine leichte Situation sein wird, Ihr Kind in diesen neuen Lebensabschnitt zu „entlassen“.

Bitte nehmen Sie immer den gleichen Sitzplatz in meiner Räumlichkeit ein, am besten am Rand des Spielraums, an einem Ort wo Sie sich wohlfühlen. Von diesem Platz aus können Sie meine Arbeit gut kennenlernen. Ihr Kind entscheidet selbst, wann und wie lang es sich von Ihnen löst, wenn es auf mein angebotenes Spielmaterial neugierig geworden ist. Es darf natürlich jederzeit wieder zu Ihnen zurückkommen und Körperkontakt suchen, wenn es diesen braucht. Um eines möchte ich Sie jedoch bitten: greifen Sie nicht aktiv in das Spielgeschehen Ihres Kindes ein.

In den ersten Tagen werde ich vorsichtig und einfühlsam versuchen, Kontakt zu Ihrem Kind aufzunehmen und seine Neugier an der Erkundung des Raumes und an den bereitgestellten Spielmaterial zu wecken.

Gelingt es mir in den nächsten Tagen, dass sich Ihr Kind gerne und freudig in das Spiel verwickeln lässt und es vielleicht schon mit mir zusammen den Raum verlässt, weil es neugierig die anderen Räume erkunden möchte, sehe ich langsam den Moment gekommen, einen ersten Trennungsversuch zu wagen. Dies wird nicht sofort, sondern erst nach Absprache mit Ihnen am oder in den nächsten Tagen stattfinden.

Sie kommen wie gewohnt mit Ihrem Kind zur gleichen Uhrzeit, alles findet wie gewohnt statt, nur dass Sie sich nach einigen Minuten klar und deutlich von Ihrem Kind verabschieden. Sie verlassen dann den Raum für einige Minuten – die Reaktion Ihres Kindes wird über unsere weitere Vorgehensweise entscheiden.

Lässt sich Ihr Kind trotz Weinen schnell von mir trösten und beruhigen und findet es nach kurzer Zeit in sein Spiel zurück, können wir in den nächsten Tagen die Trennungszeit langsam ausdehnen. In dieser Zeit der Trennung ist es sehr wichtig, dass Ihr Kind ein Kuscheltier, Schnuffeltuch oder Schnuller dabei hat – etwas ihm sehr Vertrautes, mit dem es sich auch selbst regulieren kann.

Ist die Trennung von Ihnen kein Problem mehr, können Sie mir Ihr Kind gleich nach der Morgenbegrüßung auf den Arm übergeben und sich von ihm verabschieden.

In den weiteren Tagen werden sich dann nacheinander erst das gemeinsame Frühstück, später das Mittagessen, dann die Schlafenszeit und zum Schluss die komplette Betreuungszeit von morgens bis zum Abholen anschließen.

Die Eingewöhnungszeit Ihres Kindes ist beendet, wenn Ihr Kind zwar bei der Verabschiedung protestieren darf, sich aber schnell wieder in das Spiel einbinden lässt.

Während der Eingewöhnungszeit sollten Sie immer kurzfristig telefonisch erreichbar sein.